Self-Publishing oder Verlagsgründung?

Ebooks veröffentlichen kann heutzutage jeder, der es will. Dasselbe gilt für Taschenbücher, die per Print-On-Demand hergestellt werden. Es ist nach kurzer Einarbeitung recht einfach, kostengünstig und macht nicht nur Spaß, sondern kann auch lohnenswert sein.

Wie aber soll man sich von Anfang an positionieren, wie am besten in den Markt eintreten? Schließlich muss man, bevor man sich die Mühe macht, die Leiter zu erklimmen, erst mal eines wissen: Wo genau soll die Leiter überhaupt stehen?

 

Ganz allgemein gibt es zwei Möglichkeiten, um in Eigenverantwortung Bücher herauszugeben:

A)  DER ÜBLICHE WEG DES SELFPUBLISHING

oder

B)   DIE VERLAGSGRÜNDUNG

Welches ist der beste Weg von beiden?

 

Antwort: Das kommt ganz auf Ihre Bedürfnisse und Ziele an! Für die meisten wird A), also das Dasein eines Self-Publishers passen. Einige wenige aber sollten durchaus mit dem Gedanken spielen, einen eigenen Verlag zu gründen. Das hat Vorteile und Nachteile, die von mir im Folgenden erläutert werden. Immerhin kann ich jetzt schon auf drei Jahre des Verlegens im Kleinverlag zurückblicken und meine Erfahrungen gebündelt wiedergeben.

Es gibt verschiedene Punkte, die hinsichtlich der Frage „Selbstpublishing oder Verlagsgründung?“ entscheidend sind:

 

1)    HÄUFIGKEIT DER PUBLIKATIONEN

Wenn Sie ein einziges Buch pro Jahr als Ebook und zusätzlich vielleicht noch als Taschenbuch publizieren möchten, lohnt es sich nicht, einen Verlag zu gründen. Auch bei mehreren geplanten Titeln jährlich sollten Sie die Gründung eines Buchverlages nur ins Auge fassen, wenn Sie in Zukunft viel vorhaben. Zum Beispiel pro Monat ein Ebook und Taschenbuch oder mehr.

 

2)    NUR SICH-SELBST-VERLEGEN ODER DIENSTLEISTUNGEN FÜR AUTOREN ERBRINGEN?

Hier erübrigen sich allzu viele Worte. Wer vorhat, jetzt oder später andere Schriftsteller unter Vertrag zu nehmen, sollte und muss einen Verlag gründen. Wer dies nicht will, braucht keinen Verlag – es gibt aber auch in diesem Fall Vorteile, die für einen solchen sprechen.

 

3)    SOLL ES EINFACH BLEIBEN ODER DARF ES KOMPLEXER WERDEN?

Einen Verlag zu gründen, ist zunächst einmal völlig problemlos. Weniger einfach ist der Rattenschwanz, der sich danach zeigt! Wenn es simpel bleiben soll und eine aufwändigere Struktur gescheut wird, ist es besser, sich auf das reine Selfpublishing zu beschränken.

 

4)    WILL MAN DIE UMSTÄNDE EINES EIGENVERLAGES AUF SICH NEHMEN ODER NICHT?

Einfach ausgedrückt geht eine Verlagsgründung so: Sie melden Gewerbe an, können daraufhin bei der MVB als Verlag auftreten und bekommen dort – und nur dort! – eine Verlagsnummer. Ausschließlich mit dieser sind Sie berechtigt, ISBNs zu kaufen, also Internationale Standard Buchnummern. Diese sind verlagsgebunden und beinhalten immer die eigene Verlagsnummer, können also nicht weitergegeben oder verkauft werden. Vorteil: Sie besitzen die ISBNs. Jedes Ihrer Bücher ist weltweit und für immer über diese Nummern identifizierbar, was für die Vermarktung Vorteile bringen kann.

Als reiner Self-Publisher ohne eigenen Verlag haben Sie keine Möglichkeit, ISBNs zu erwerben. Bekommen Sie welche, dann nur leihweise. Nämlich über die jeweilige Plattform, über die Sie Ihre Titel veröffentlichen. Nachteil: Sollten Sie diese Plattform einmal wieder verlassen, so können Sie diese Nummern nicht mitnehmen! Das kann ein breit gestreutes Marketing ganz schön durcheinander bringen und aufwändige Korrekturen nötig machen.

Als Verlag sind Sie mit all Ihren Titeln im VLB gelistet, welches von der MVB betrieben wird. In diesem „Verzeichnis lieferbarer Bücher“ sind alle Titel digital auffindbar. Das Wichtigste jedoch ist für einen Ebook-Herausgeber die Präsenz in allen Online-Shops! Womit wir schon beim nächsten Punkt wären:

 

5)    ALLE GESCHÄFTE EINZELN ABSCHLIESSEN ODER PER ZWISCHENHANDEL GEBÜNDELT IN ALLE SHOPS LIEFERN?

Amazon ist unbestritten der größte Online-Händler, gerade auch für Ebooks. Es macht aber unbedingt Sinn, auch andere Shops mit seinen Ebooks zu beliefern! Diese haben insgesamt einen nicht zu unterschätzenden Anteil am Verlagsumsatz, der durchaus irgendwo zwischen 20% und 70% liegen kann. Das heißt, Sie können unter Umständen Ihren bei Amazon generierten Umsatz mehr als verdoppeln, wenn Sie auch in andere wichtige Shops liefern – oder liefern lassen. Außerdem ist es immer gut, die Vielfalt des Marktes zu unterstützen. Nicht zuletzt auch im eigenen langfristigen Interesse.

Als Verlag kann man es sich möglichst einfach machen und einen Vertrieb wie zum Beispiel Bookwire damit beauftragen, sein Programm in alle relevanten Shops zu bringen. Natürlich gegen eine Umsatzbeteiligung. Diese sowie weitere Kosten (die sich aber im Rahmen halten) fallen bei einem Verlag natürlich an, im Gegensatz zum etwas eingeschränkten, aber sehr preiswerten Selfpublishing.

Ein professioneller Vertrieb hat die Nase immer sehr nahe an den Online-Shops und an den Möglichkeiten des Marktes. Neue Shops kommen, andere verschwinden. Es werden Verträge mit ihnen ausgehandelt. Verschiedene Abrechnungen werden gebündelt und man muss nicht mit jedem Shop einzeln abrechnen. Nicht zuletzt schwimmen Sie als Kleinverlag damit auch im Schwarm mit anderen: Ein Vertrieb, der tausende von Ebooks vertreibt, hat ein ganz anderes Auftreten gegenüber den Shops und zudem mehr kommunikative Erfahrung als ein einzelner Produzent von Büchern. In der Regel besteht ein guter Draht zu allen Ebook-Plattformen.

 

WAS IST DARAUS ZU SCHLIESSEN?

Machen Sie einfach, was auch immer Sie wollen – aber machen Sie es gut! Starten Sie mit Optimismus, ohne gleich zu viel zu erwarten. Die Möglichkeiten sind vielfältig und sehr interessant.

 

Mit den besten Wünschen für Sie,

Ralf Stumpp

autodidaktischer Texter, Illustrator, Grafiker, Fotograf und Kleinverleger